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Aufgefellt und abgefahren

Die verschneite Natur, die Berge, die Bewegung. Wer einmal auf Skitour war, den lässt es nicht mehr los. Skitourengehen hat Suchtpotential. Die einen lieben das gleichmäßige Dahingehen. Die anderen fiebern schon beim Start der freien Abfahrt entgegen.
Auf den Bäumen thronen kleine Schneekronen, auf jedem Ast eine. Die kalte Pracht hat alles fest im Griff. Almwiesen, Hütten, Tannen, Waldböden. Sogar die Bergbäche tragen Weiß, das eisige Wasser plätschert einfach um die winterliche Garnitur herum. Ein Fuchs hat seine Spur auf der sonst vollkommen unberührten, flockigen Fläche hinterlassen. Die Luft riecht nach noch mehr Schnee. Kein Geräusch, kein Lärm, nur Ruhe. Bis auf das Schleifen der Felle über den Schnee. Es ist die Melodie des Skitourengehens. Felle machen den Aufstieg erst möglich, sie geben Halt und verhindern das Abrutschen.

Im Gleichtakt bewegen sich die Skitourengeher voran. Sie sind beim Seehaus gestartet, durch den Wald dann ins Ostertal hinein und schließlich ins steile, von Felsen flankierte Ostertalkar. Die fast jungfräuliche Schneedecke verspricht einiges an Pulver für die Abfahrt. Höher und höher steigen sie auf, das Ziel vor Augen: die 1.684 Meter hohe Hörndlwand. Die letzten Höhenmeter sind nur mit Spitzkehren zu bewältigen. Schließlich erreichen sie ein fast ebenes Hochplateau. Rundum nichts als eine schier endlose Weite weißer Bergspitzen. Das ist es, was den Reiz des Skitourengehens ausmacht, sich abseits von planierten Pisten in unberührter Natur aus eigener Kraft einen Logenplatz mit Panoramblick zu erobern.
Bis zum Hörndlwandgipfel ist es nur mehr ein Klacks. Die mitgebrachte Brotzeit wird mit den frechen Bergdohlen geteilt. Ohne Scheu fressen sie den Menschen aus der Hand. Die können sich gar nicht sattsehen an der mächtigen, winterlichen Bergwelt.

Unter dem Schreien der Dohlen ziehen die Skitourengeher schließlich die Felle ab, stellen die Bindungen um und sausen talwärts entlang der Aufstiegsroute. Der Schnee staubt. Es ist ein bisschen wie tanzen und schweben gleichzeitig. Die Skitour auf die Hörndlwand ist nichts für Einsteiger, für Könner ist sie ein Traum. Weder das steile Gelände noch der dicht bewachsene Wald bremsen sie ein. Viel zu schnell sind sie wieder unten, mit strahlenden Gesichtern. Skitourengehen macht glücklich. Die Bewegung, die Landschaft, die Bergluft, das Draußensein.

Tourenmöglichkeiten gibt es in und um Ruhpolding viele: Rauschberg, Kienberg, Dürrnbachhorn. Der Unternberg kommt mit seinem Skitourenlehrpfad vor allem Anfängern entgegen. Hier lernt man alles über Aufstiegstechniken, Routenwahl, Geländekunde und dass ein Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS), Schaufel, Sonde und Erste Hilfeausrüstung bei jeder Tour in den Rucksack gehören. Weil Sicherheit am Berg immer oberste Priorität hat, im Sommer und im Winter.

 
 
 
 
 
 
17.02.2021
Kathrin Thoma-Bregar
 
 

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